Die schamanische Kakaozeremonie

Auszug aus dem Buch von Dirk Liesenfeld: „Reise zu Deinen Wurzeln – das Praxisbuch des lebendigen Schamanismus“

Ich gehe in diesem Abschnitt über rohen Kakao und die Kakaozeremonie etwas ausführlicher in die Tiefe, weil die Kakaozeremonie sehr schön erklärt, wie und warum die Substanzreisen zur Weitung des Bewusstseins wirken und weil sich die Kakaozeremonie wundervoll mit anderen schamanischen Tools kombinieren lässt. Wir arbeiten seit Anfang der 90er Jahre spirituell mit Menschen, bieten seit 2015 Rituale und Zeremonien mit Kakao an und gehören damit zu den ersten Wegbereitern in Deutschland. Damals gab es nur wenige Anbieter dieser sehr kraftvollen Zeremonie, doch in der letzten Zeit hat sich dieser spirituelle Weg sehr stark kommerzialisiert, was leider auch dazu führte, dass die Qualität zum Teil sehr gelitten hat:

  • „Kurzreisen“ mit zum Teil exorbitanten Preisen – Warum das sehr gefährlich sein kann, erkläre ich später in diesem Text
  • Vielfach sind es auch große Gruppensitzungen ohne wirkliche Einzelbegleitung
  •  Oder Anbieter und Anbieterinnen, die nur Kakao reichen, ohne eigene Anbindung an die spirituelle Welt

Das empfinde ich als sehr schade, denn in der traditionellen und ursprünglichen Kakaozeremonie steckt solch eine sanfte Kraft, die ein jeder, der sich darauf einlässt, nutzen kann, um ohne große Risiken recht tief in sich selbst vorzudringen. Kakao und die damit verbundene Zeremonie entstammt offensichtlich nicht der ursprünglichen mitteleuropäischen schamanischen Tradition, doch sie wurde in den letzten Jahren sehr stark in diese integriert und erfreut sich dort großer Beliebtheit. Grund genug für mich, dieses Kapitel niederzuschreiben, denn der lebendige Schamanismus darf wachsen und sich verändern.

Wozu kann ich eine Kakaozeremonie nutzen?

Wann immer du dich fragst, ob du für eine Frage oder ein Thema Kakao nutzen kannst, ist die Antwort eigentlich immer: JA! Wie kann das sein? Ein Heilmittel für alle Krankheiten und Symptome? Ich muss also nur Kakao nehmen und alles ist gut? Nein, so ist es natürlich nicht. Tatsächlich gibt es aus spiritueller Sicht keine „Heilmittel“, die für sich genommen dich gesund und glücklich machen. Im Gegenteil: aus spiritueller Sicht wird jede „Medizin“ von außen lediglich die Symptome lindern, aber nicht die Ursache. Sagen wir mal, jemand wäre depressiv und empfindet das Leben als dunkel, schwer und sinnlos. Sicherlich kann man nun Psychopharmaka nehmen oder Alkohol trinken oder Süßigkeiten essen oder sich von Liebschaft zu Liebschaft hangeln. All das kann man tun und es wäre nichts Falsches daran.

Doch es wird nicht helfen zu gesunden. Sobald man wieder „nüchtern“ wird, ist man wieder in der alten Falle gefangen. Ähnliches gilt (leider?) auch für Substanzen wie LSD, MDMA, Pilze, Ayahuasca (und so fort) und auch Kakao! All diese Substanzen werden ja immer wieder als das Wundermittel zur Heilung der Welt gefeiert, doch leider ist dem nicht so. Man könnte sie immer und immer wieder einnehmen und würde einfach nur abhängig davon werden. Es sei denn, man nutzt sie in ganz spezieller Weise – nämlich als Helfersubstanzen, also Substanzen, die helfen gewisse Schranken zu öffnen, um dann unter Anleitung eines erfahrenen Zeremonienmeisters tiefer in die eigene, innerste Welt vorzudringen. Jegliche Ursache für Unglück liegt hier, so behaupte ich, verborgen und kann auch nur hier erlöst werden.

Wie läuft eine Kakaozeremonie ab?

Wie gesagt: es bringt nichts, wenn du dich einfach nur mit einer Tasse hochdosierten, rohen Kakao hinsetzt und hoffst, dass das all Deine Probleme löst; oder dich mal eben so erleuchtet. Auch hier spielen, wie im vorherigen Kapitel schon erwähnt, Set und Setting eine wesentliche Rolle. Es liegt auf der Hand, dass eine solche Reise nach Innen anders verläuft, wenn du sie in einem Trance-Club durchführst, als wenn du sie im Wald unter einem Baum machst – dies jetzt mal als extreme Pole, denn daran wird es gleich klar. Aber auch feinere Komponenten haben einen großen Einfluss auf den Verlauf einer Kakaozeremonie:

  • Allein oder unter schamanischer Führung
  • In der Gruppe oder einzeln
  • In Stille oder mit Musik oder geistigen Impulsen

Ich persönliche habe über die Jahre gute Erfahrungen mit Kakaozeremonien im Wald gemacht oder in Verbindung mit einer Erdhütte (die ebenfalls im Wald liegt). Im Gruppenkontext verwende ich auch gerne dazu Trommeln, Gesang, Musik und geistige Impulse, sowie kleine Anregungen durch Körperübungen oder Texten. Gelegentlich sind auch kurze Ausflüge in den Wald zur Kontaktaufnahme mit den Natur-Wesen sehr unterstützend.

Am Tiefsten führt eine Kakaozeremonie natürlich dann, wenn du starke Gründe hast, warum du sie machen willst und bereit bist, nach innen zu schauen – da, wo es unangenehm und dunkel wird. Man darf ruhig Angst haben und sich darüber im Unklaren sein, wie es gehen soll. Das ist im Gegenteil gar nicht schlimm, sondern sogar gut so. Es zeigt, dass man eine gewisse Ernsthaftigkeit in sich trägt und auch eine Offenheit. Die Rituale dauern (jedenfalls wenn ich sie anleite) immer mindestens einen Tag, denn es braucht nach meiner Ansicht diese Zeit, um sich all den inneren Widerständen langsam anzunähern, in Ruhe zu durchschreiten und dann auch im Nachhinein zu erfassen und zu integrieren, was sich gezeigt hat. Das ist sehr vergleichbar mit den holotropen Atemsitzungen.

Tatsächlich würde ich sogar stets dazu raten, die Zeremonie eingebettet in ein mehrtägiges Seminar durchzuführen, denn das ist natürlich deutlich intensiver als „nur“ ein Tag. Doch auch an einem Tag kann schon viel Öffnung und Selbsterkenntnis geschehen und daher ist auch gegen diese Zeitspanne nichts zu sagen. Was ich jedoch als völlig sinnlose Geldschneiderei empfinde (und daher auch ablehne), sind eben „Kurzreisen“, die nur wenige Stunden dauern. Ich empfinde es als traurig und ärgerlich zugleich, dass so eine wertvolle Möglichkeit zur Selbsterkenntnis dermaßen entweiht wird. Letztlich dient natürlich alles im Leben dem Wachstum – doch manches ist dafür eben mehr und manches ist dafür weniger geeignet. Auch wenn man zu den Ursprüngen der Kakaozeremonie schaut, wird schnell klar, dass beispielsweise im brasilianischen Regenwald viel Wert auf Zeit für Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung gelegt wird. Der sorglose Umgang mit jeder Art von Substanzen birgt darüber hinaus auch immer Gefahren in sich. Dazu noch später.

Rituelle Räume haben – wie ja schon erwähnt – immer auch etwas mit Magie zu tun, allerdings jetzt nicht die Art Magie, wie in Fantasy-Romanen oder so, sondern im Sinne dessen, dass sie Energien bündeln und dadurch über die „normale“ Welt hinausreichen (siehe auch im Kapitel über „Magie“). Rituale sind daher besondere Räume, die eine klare Abgrenzung zum Alltag haben. In diesen Räumen wird unter Anleitung einer erfahrenen Leitung Zugang zum innersten Wesenskern möglich, der anders nur schwer oder vielleicht sogar überhaupt möglich wäre.

Ich habe es oft erlebt, dass zu uns Menschen kommen, die zum Teil seit vielen Jahren sich erfolglos an bestimmten Themen die Zähne ausgebissen haben.

Selbsthilfegruppen, Psychotherapie, Meditation, Coachings – all diese wirklich wertvollen Tools bringen manchen Menschen nicht den gewünschten Erfolg. Wohl sind sie oft eine Möglichkeit des Einstieges, doch manches mal verhelfen sie nicht zu diesem inneren Durchbruch, welcher zur Gesundheit und Heilung führt. Es ist nie möglich, vor einer Zeremonie zu sagen, was darin passieren wird. Es ist eine Reise ins Unbekannte. Doch häufig habe ich es erlebt, dass in einem wohl begleiteten Ritual auf einmal der Durchbruch passiert, der DAS öffnete und erlöste, was so lange im inneren Schattenbereich lag und so destruktiv wirkte.

Viele Menschen vermuten, dass es bei Ritualen auf einen festen Ablauf mit bestimmten Regeln ankommt. Dem ist meist nicht so und besonders nicht bei einem Kakaoritual. Im Gegenteil: wenn dieses Ritual einer starren Abfolge unterworfen wird, kann es nicht mehr mit dem Moment gehen und wird sich nicht in vollem Umfang entfalten. Jeder Mensch ist besonders und jeder Moment ist einzigartig. Doch viele Menschen überfordert diese Komplexität und daher orientieren sie sich lieber an festen rituellen Abfolgen. Die sind selbstverständlich nicht per se schlecht, doch die starke Kraft eines authentischen Rituals kann dies eben nicht erzeugen.

Es braucht auch beim Kakaoritual eine gewisse Entschlossenheit und auch eine gute Portion Mut, um sich auf dieses Wagnis einzulassen, da man sonst die eigene Komfortzone und den alltäglichen Bewusstseinsbereich nicht verlassen kann. Nur außerhalb dessen finden auch neue Erkenntnisse statt und nur da kann dann eben auch diese ganz besondere Magie wirken.

Kakaoarten und Wirkung

Es gibt verschiedene Qualitätsstufen und –sorten: von Schokolade (die keine Wirkung hat) über Rohkakao (der wenig Wirkung hat) bis hin zur rituellen Qualität (die starke Wirkung zeigt). Fangen wir mal bei der handelsüblichen Schokolade an:

Normale Schokolade hat keinerlei Qualität, die für die Selbsterkenntnis geeignet ist. Sie ist ungesund, macht dick und schmeckt noch nicht einmal besonders lecker, denn sie ist einfach nur süß und nur ein Schatten dessen, was sie von der Geschmacksvielfalt her sein könnte. Tatsächlich ist es so, dass der Verlust der Geschmacksnuancen einhergeht mit dem Verlust der eigentlich gesunden Rohstoffe, welche durch die Erhitzung und Weiterverarbeitung zerstört werden. Es ist ein wenig wie der Weg einer gesunden Kartoffel zu den ungesunden Pommes – am besten noch mit Ketchup und Mayo. Der Anbau von Schokolade durch die großen Konzerne zerstört noch dazu die Umwelt und beutet Menschen aus. Selbst das inzwischen zum Standard geworden „Fair-Trade“-Label hat nur sehr begrenzte Aussagekraft darüber, ob es wirklich für alle Beteiligte FAIR ist. Zumindest für die Umwelt ist es dabei eigentlich nie FAIR.

Handelsüblicher Rohkakao oder Rohschokolade besteht meist aus den überzüchteten und für den produktiven Anbau geeigneten Sorten. Dies ist in jedem Fall schon deutlich gesünder als normale Schokolade. Er enthält immer noch viele wertvolle Vitamine, Mineralien und sekundäre pflanzliche Hilfsstoffe. Häufig verwenden die Hersteller zum Süßen Vollrohzucker, was schon einmal besser ist als Kristallzucker – obgleich auch nicht viel besser. Doch zwei Eigenschaften machen die ROHE Schokolade zum deutlich überlegenen Produkt:

  1. Sie ist viel teurer als normale, das heißt man isst allein schon aus ökonomischen Gründen nicht zu viel davon
  2. Sie erzeugt bei übermäßigem Verzehr bei den meisten Menschen eine „Fresssperre“. Das heißt, wenn du mehr davon isst als dir guttut, reagiert der Körper mit einem schützenden Völlegefühl oder gar Übelkeit. Dieser Effekt kann jedoch durch zu hohen Zuckergehalt verschwinden.

Die speziellen Sorten, welche für die Kakaozeremonie geeignet sind, werden an besonderen Orten speziell für diesen Zweck geerntet. Es sind alte, unveränderte Sorten, in denen die Wirkstoffe noch hoch sind und der schamanistische Geist des Dschungels noch wild. Die besten Sorten kommen aus Bali, Peru, Guatemala und Ecuador. Jede Sorte trägt auch eine andere „Reise-Qualität“ in sich und ist daher auch für verschiedene Richtungen oder Menschentypen besser oder weniger geeignet. In diesen speziellen Sorten, die dann auch noch schonend zubereitet sind, stecken vor allem diese Schätze:

  • Über 300 Mineral-, Vitamin- und Hilfsstoffe. Der rohe Kakao ist eines der komplexesten Lebensmittel, das die Wissenschaft kennt. Vor allem Theobromin hat diese stark herzöffnende Wirkung und tatsächlich steht die Wissenschaft auch hier (ähnlich wie bei LSD) noch vor einem Rätsel, warum diese Substanz eine solche Wirkung erzeugt.

  • Ein hoher und vor allem hochwertiger Fettgehalt. Dieser macht das „Wunder“ überhaupt erst möglich, denn das hochwertige Fett dosiert die Aufnahme der Wirkstoffe in den Körper. Es kommt eben nicht zu einem High und dann wieder zu einem Low, sondern einer sanften und lange anhaltenden Wirkung. Nur diese Kombination erzeugt das Potenzial für eine tiefe Selbsterkenntnisreise.

  • Entscheidend ist dabei jedoch, wie schon erwähnt, dass die Rohprodukte nicht erhitzt, sondern fermentiert wurden und dass die Sorten rein sind, also keine auf Produktivität gezüchtete Hybriden. Der Zeremonie-Kakao ist daher ein reines, ursprüngliches Produkt.

Im Übrigen heißt Theobromin übersetzt tatsächlich „Speise der Götter“ (von Theos und Broma), da hat sich die Wissenschaft ja mal richtig was dazu gedacht 😊

Die Wirkung entfaltet sich am besten in Ruhe, so sollte der Tag einer Kakaozeremonie ruhig und entspannt beginnen. Es ist hilfreich, wenn man nicht frühstückt und vor allem keinen Kaffee trinkt und auch nicht raucht. Gerade der Aufenthalt in der Natur hilft, um sich auf die kommende schamanische Reise einzuschwingen. Ich beginne eigentlich immer mit einem entspannten Spaziergang, in welchem wir über das bevorstehende Ereignis sprechen und schon hier zeigen sich oft schon erste Vorboten. Alte Themen kommen auf einmal wieder mehr ins Bewusstsein, die Gefühlswelt beginnt sich zu verändern. Wir halten uns in der Natur auf und die Magie nimmt ihren Lauf.

Diese Magie ist schwer zu erklären – wodurch kommen all diese Veränderungen, ohne, dass die Substanz eingenommen wurde? Wir wissen es nicht und ich will es eigentlich auch gar nicht wissen. Schamanismus ist schließlich die Öffnung ins Mysterium hinein – ins Unbekannte und Ungewisse. Schließlich meditieren wir gemeinsam am Ritualplatz oder im Ritualraum. Es ist dabei ohne jede Bedeutung, ob man schon jemals meditiert hast, oder noch nie zuvor.

In der Meditation leert sich der Geist und das Körper-Geist-System kommt zur Ruhe. Dies funktioniert unter guter Anleitung tatsächlich auch bei „Anfängern“.

Nun bereite ich den Kakao-Trunk nach einem traditionellen und vielfach bewährten Rezept. Wir verwenden dabei nur natürliche Zutaten und süßen das Getränk mit etwas Kokosblüten-Zucker. Diese Zuckerart hilft dabei, die Wirkstoffe schonend und gleichmäßig in den Körper aufzunehmen. Für Diabetiker verwenden wir Birkenzucker – auch dieser ist sehr gut geeignet und hat nur einen sehr geringen Einfluss auf den Blutzucker. In ritueller Form wird nun der Trunk aufgenommen. Er schmeckt überraschend gut und wird von den allermeisten Menschen von Anfang an als wohltuend und stärkend empfunden.Die Wirkung des Theobromins zeigt sich recht schnell vor allem in einem erhöhten Blutfluss im menschlichen Körper. Viel mehr Blut als normal werden durch das Kreislaufsystem gepumpt und das Gehirn bekommt dadurch einen Sauerstoffüberschuss.

In der ersten Stunde ist die Wirkung häufig sehr herzöffnend. Glücksgefühle durchströmen die Menschen und die ersten emotionalen Blockaden können sich lösen. Es rollt die eine oder andere Träne, doch alles ist sehr sanft getragen und sehr weich und wohlwollend unterlegt. Kakao wird niemals zu etwas zwingen, wie beispielsweise manche psychoaktiven Pflanzen oder Substanzen. Der Kakao öffnet nur jene inneren Räume, die man bereit ist zu betreten. Türen werden geöffnet, doch ob man sie betritt liegt in den eigenen Händen. Einfühlsam leiten wir sanft und behütend durch die Zeremonie. Wir unterstützen mit Musik, Worten, Berührungen und anderen Impulsen. Auch hier gibt es keinen Zwang und keinerlei Druck. Ich z.B. verstehe meine Rolle als Zeremonie-Leitung stets nur als Quelle von sanften Impulsen von außen. Ob und wie man ihnen folgt, entscheidet ein jeder reisenden Mensch ganz für sich allein.

Gefahren und Nebenwirkungen

Eingebettet im richtigen Set und Setting und unter erfahrener Leitung hat der rituelle Kakao zwar viele „Nebenwirkungen“, aber keine unerwünschten. Damit meine ich, dass es nicht möglich ist vorherzusagen, welchen Weg die Zeremonie gehen wird. Vielleicht startest du mit dem Wunsch, Deine Partnerschaft zu klären und landest bei deiner Kindheit und deiner Beziehung zu Deinem Vater oder deiner Mutter. Oder du suchst Deine Lebensaufgabe und landest bei einer inneren Grenze, die dich daran hindert, glücklich zu sein. Das ist oft herausfordernd und verwirrend. Doch hat nach meiner Erfahrung der Kakao immer „Recht“. Er gibt Impulse und öffnet Sichtweisen, die oft auf viel direkterem Weg zum Ziel führen, als wir es je finden würden, wenn wir es intellektuell angingen. Manchmal ist es sogar die einzige Möglichkeit, um gewisse Themen zu erreichen und zu erlösen.

Da die Bitterstoffe im Kakao häufig auch einen reinigenden und entgiftenden Effekt haben, ist es sehr wichtig, dass nach der Zeremonie reichlich Wasser getrunken wird. Dies hilft dabei, die gelösten Giftstoffe auszuleiten und verhindert so den Kakao-Kater auf körperlicher Ebene. Doch auch auf emotionaler Ebene gibt es (vor allem bei fehlender oder falscher Begleitung) die Möglichkeit eines Katers.

Diese sanfte Zeremonie öffnet zarte Emotionen, die teilweise viele, viele Jahre im tiefsten Innersten verschüttet waren.

Es ist so wichtig, dass diese einen guten Platz finden – sowohl während der Zeremonie als auch in der Integration danach. Denn all das, was geöffnet aber nicht integriert wird, kann in den Tagen und Wochen nach dem Ritual zu starken Gefühlsschwankungen führen – sogar bis hin zur Depression oder Angstzuständen. Und genau das ist eben der Grund, dass wir unsere Kakaozeremonien nur mit mindestens einem Tagesretreat oder -seminar anbieten und lieber sogar zwei oder gar drei Tage lang. Dies stellt sicher, dass ausreichend viel Raum für die Integration zur Verfügung steht.

Im mehrtägigen Retreat ist es auch möglich mehrere Sitzungen zu machen und/oder gegebenenfalls mit weiteren Tools oder sogar Substanzen zu arbeiten.

Noch ein Wort der Warnung: aus medizinischer Sicht ist jede Art von Substanz-unterstütztem Ritual möglicherweise kritisch für Menschen, die Psychopharmaka einnehmen oder sich in fortgeschrittener Schwangerschaft befinden. Auch bei Problemen mit dem Herz-Kreislaufsystem oder psychischen Problemen sollte vorher der Arzt konsultiert werden. Ansonsten kann jeder gesunde Mensch, der wirklich und ernsthaft an sich und in sich forschen möchte, dieses Geschenk der Götter annehmen – am besten im Schoß von Mutter Natur und Vater Wald.